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Kooperation stärken

Empathie? Nein. Danke!

Ich höre manchmal: “Deine Themen sprechen mich sehr an. Nur Empathie? Nein. Das ist nichts für mich. Das löst mein Problem nicht.”

Es gibt vielfältigste Methode, um bei sich selbst anzukommen, das eigene Sein und Eigenverantwortlichkeit zu stärken. Jede/r wählt die Methode, die grad am besten in das eigene Konzept passt. Ich möchte heute Empathie ein wenig beleuchten, um Aspekte aufzuzeigen, die Dir vielleicht noch gar nicht bewusst waren. Seit 2006 beschäftige ich mich mit Achtsamkeit und Wertschätzung. Und 2010 hatte ich erstmals Kontakt mit der Gewaltfreien Kommunikation und somit auch ganz intensiv mit Empathie.

Was ist nun Empathie?

Bei Empathie geht es darum, die Gefühle und Bedürfnisse einer anderen Person oder von sich selbst zu erkennen. Im zweiteren Fall sprechen wir von Selbstempathie.

  • Und zwar geht es um ein urteilsfreies Erkennen. Ich bewerte nicht. Es geht rein um das Erkennen. Es geht also auch um Gleichmut und Akzeptanz.
     
  • Meine Aufmerksamt lenke ich bewusst auf die Gefühle und Bedürfnisse. Es ist eine absichtsvolle Lenkung. Wenn meine Aufmerksamkeit wegdriftet, Gedanken kommen, hole ich mich immer wieder ins Hier und Jetzt. Es ist also eine sehr fokussierte Handlung.
     
  • Mein Ego pausiert. Es geht nicht darum etwas zu wollen oder zu müssen sondern um Sein. Laut Dr. Sylvester Walch ist die Wurzel des Egos das Gefühl des Getrennt-seins. Er definiert Ego als Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen, die mir und anderen schaden. (Sylvester Walch, Vom Ego zum Selbst, O.W.Barth Verlag, 2011, Seite 106). Ich pausiere also, um Platz zu geben, um die Trennung zwischen uns aufzuheben, um das Sein in mir und in dem/der Anderen zu erkennen.  
     
  • Perspektivenwechsel. Ich erlaube mir vorübergehend eine neue Sichtweise. Erweitere meinen Horizont.

Dieselben Merkmale zeichnen Achtsamkeit aus (Corinna von Au/Adriane Seidel, Achtsamkeit als grundlegende Führungskompetenz, 2017, in Eigenschaften und Kompetenzen von Führungspersönlichkeiten, Seite 4), sodass ein empathisches Dasein auch ein achtsames Dasein darstellt.

Die dahinterliegende Absicht ist Verbindung, Kontakt oder Kooperation mit der anderen Person oder mir selbst. Gehe ich in die Konkurrenz und möchte ich meine Interessen vertreten, so ist der empathische Ansatz nicht ziel-führend. Es geht bei Empathie um Wahrhaftigkeit. Ein vorgetäuschtes Interesse wird ins Leere führen und nicht in die Verbindung.

Was ist der Unterschied zwischen Achtsamkeit, Mitgefühl und Empathie?

Achtsamkeit ist das bewusste im Moment sein. Eine grundsätzliche Haltung. Ein Stärken der eigenen Wahrnehmung und Präsenz. Wobei diese Wahrnehmung offen oder fokussiert sein kann. Bin ich mit offener Wahrnehmung da, so nehme ich meine Umgebung wahr mit all meinen Sinnen – ohne zu bewerten. Ich beobachte. Bei der fokussierten Wahrnehmung, konzentriere ich mich auf z.B. den Atem – oder auf eine bestimmte Aufgabe. 

Empathie kann auch als Einfühlungsvermögen bezeichnet werden. Es ist eine Fähigkeit, für Selbstmanagement und Kommunikation, die Achtsamkeit voraussetzt. Fokus liegt auf den Gefühlen und Bedürfnissen. Ich erkenne sie aus der Beobachter-Perspektive: Ich erkenne das Gefühl – verliere mich selbst aber nicht darin und habe immer noch meine Position. Empathie ist überall dort wichtig, wo es um ein gegenseitiges Verstehen geht und ein Fördern von Kooperation. Zentrale Anwendung findet sie auch im Coaching. In gewisser Weise bin ich als Zuhörerin in diesem Moment nur Raum. Bin mit allem da, was mich auszeichnet und lasse gleichzeitig meine Gedanken los, damit der/die andere sich klären kann.

Bei Mitgefühl mache ich das Gefühl des/der Anderen zu meinem. Ich fühle mit. Ich möchte die Situation des/der Anderen verbessen. Möchte unterstützen – helfen.

Wie wirkt Empathie?

Carl Rodgers (1902-1987, Psychologe, Psychotherapeut, Vertreter der Humanistische Psychologie/ Vater des aktiven Zuhörens) sagt Folgendes über die Wirkung von Empathie:

“Wenn … dir jemand wirklich zuhört, ohne dich zu verurteilen, ohne dass er den Versuch macht, die Verantwortung für dich zu übernehmen oder dich nach seinem Muster zu formen – dann fühlt sich das verdammt gut an. Jedesmal, wenn mir zugehört wird und ich verstanden werde, kann ich meine Welt mit neuen Augen sehen und weiterkommen. Es ist erstaunlich wie scheinbar unlösbare Dinge doch zu bewältigen sind, wenn jemand zuhört”.


(Marshall B. Rosenberg, Gewaltfreie Kommunikation, Junfermann Verlag, 2001, Seite 133)

Empathie hat Auswirkungen auf Deine Gesundheit:

  • Stärken der Gesundheit durch frühzeitiges Erkennen von Signalen des Körpers
  • Mehr Wohlbefinden durch bewussteren Umgang mit sich selbst.
  • Mehr Kraft durch achtsamen Umgang mit eigenen Ressourcen – Einhalten von Grenzen 

Empathie wirkt sich auch auf Deine Beziehungs-Welt aus

  • Mehr Klarheit über eigene Prioritäten und darüber welche Schritten nun notwendig sind.
  • Mehr Kooperation und Lösungsorientierung
  • Mehr Beziehungsqualität, eine Intensivierung durch ein Mehr an Verstehen

Und Empathie trägt auch zu Deinem Erfolg bei:

  • Schafft Raum für Kreativität und Innovation
  • Erhöhte Zielerreichung durch mehr Klarheit, Kooperation
  • Mehr Authentizität – Nutzung der eigenen Ressourcen
  • Mehr Kooperation
  • Höhere Qualität der Leistung
  • Mehr Effizienz durch fokussierten Ressourcen-Einsatz

Heiß das, ich soll nun einfach alles so akzeptieren?

Nein, das heißt es nicht. Es geht rein, um den Akt des Erkennens und Verstehens. Ich nehme die Position meines Gegenübers ein. Ich baue mit Empathie eine Brücke, um zu verstehen, was mein Gegenüber meint. Was ihm/ihr wichtig ist. Worum es gerade geht. Dann erst stelle ich meine Meinung dazu, sofern ich das möchte. Meine Reaktion kommt also nicht wie aus der Pistole geschossen, sondern nach einem ersten Schritt des Verstehens. Dies entspricht auch dem Zitat von Viktor Frankl (siehe Bilde unten). Durch das Rückfragen entsteht Raum. Ein Raum in dem Neues entstehen kann. Und es führt zu Ressourcen-Einsparung, da ich Missverständnisse und Konflikte reduziere.

Wie hat sich mein eigenes Sein durch Empathie und durch mehr Achtsamkeit und Wertschätzung verändert? Ich möchte es gern mit einem Lied beantworten: Gabriellas Lied im Film “Wie im Himmel” – wobei ich im Gegensatz zu Gabriela der Meinung bin, dass jede/r seinen/ihren Himmel ganz einfach in sich trägt.

Abschließend habe ich 3 Tipps für Dich für ein Empathie-Training “to go”:

  • Wenn Du gefragt wirst, wie es Dir geht. So ersetze “gut” durch andere Gefühlswörter oder ergänze es durch sie. z.B. “Es geht mir gut. Bin sehr zufrieden.” So erweitert sich Dein Wortschatz und dadurch auch das Bewusstsein für Deine Empfindungen. Es braucht hierfür auch einen kurzen Moment der Entschleunigung, da Du ja nicht einfach irgendein Wort sagst, sondern eines, das Dein Gefühl ausdrückt. Dieses Erkennen und Hinspüren braucht ein wenig Zeit und vor allem Raum – und Deine Erlaubnis.
     
  • “Wie geht es mir jetzt”? Ist die zentrale Frage, für mehr Klarheit über Deine Prioritäten und Bedürfnisse. Oft kann ich Gefühle nicht in Worten ausdrücken, sondern nehme Körperempfindungen wahr (Druck in der Brust, Enge im Hals, Wärme…). Versuche dem Empfinden in Deinem Leben mehr Raum zu geben! Hinhören, um die dahinterliegende Botschaft zu erkennen. Was will Dir das Gefühl mitteilen? Was ist Dir wichtig?
     
  • Um in schwierigen Momenten handlungsfähig zu bleiben, lenke Deine Aufmerksamkeit auf Deinen Körper und frage Dich: kann ich meine linke Hand spüren? Kann ich meine rechte Hand spüren? Kann ich beide Hände gleichzeitig spüren? Es geht nicht darum, wie gut du das kannst. Es geht darum, Deinen Fokus von den Gedanken aufs Fühlen zu verlegen und dadurch im Jetzt anzukommen und wieder handlungsfähig zu werden. Dein Körper ist im Jetzt. Das Herz schlägt nicht für gestern oder morgen – sondern … jetzt.

Ich freu mich sehr über Feedback zu meinem Text und auch über Erfahrungen, wie es Dir mit den Tipps geht! Gerne direkt hier auf der Seite!

Wenn Du gerne mehr von mir lesen möchtest, dann lade ich Dich herzlich zu meinen News ein!

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